Aus unserer Verbandszeitschrift

Die „Tapfersten der Tapferen“ - Julius Werneth

13. Juni 2021

Julius Werneth aus Endingen am Kaiserstuhl geboren am 17. September 1847 – verstorben am 17. Juni 1871 an den Folgen seines überragenden Einsätzen im Feldzug 1870/71. Unteroffizier im 5. Infanterie Regiment (später 5. Bad. Inf. Rgt. 113 )

 

julius wernethMit diesem Bericht wollen wir die in früheren Heften schon sporadisch begonnene Reihe über tapfere Soldaten aus dem südbadischen Raum als kontinuierliche Serie beginnen. Es ist immer wieder interessant welche Zeugnisse in unserer Umgebung erhalten geblieben sind. Dabei bewahrheitet sich der Spruch „Tot ist nur wer vergessen ist“.
Wir werden versuchen eben diesem Vergessen entgegenzuwirken indem wir die Tapfersten aus unserer Region wieder in Erinnerung rufen. Gerne dürfen Mitglieder in dieser Serie mit Berichten über Kämpfern aus ihrer Gegend mitarbeiten. Natürlich sind auch Biografien aus anderen Regionen und Landesteilen erwünscht.

Julius Werneth aus Endingen am Kaiserstuhl geboren am 17. September 1847 – verstorben am 17. Juni 1871 an den Folgen seines überragenden Einsätzen im Feldzug 1870/71. Unteroffizier im 5. Infanterie Regiment (später 5. Bad. Inf. Rgt. 113 )
Silberne Karl Friedrich Verdienst-Medaille am 15. Februar 1871: „ …. in Anerkennung hervorragender Tapferkeit und ausgezeichneter Leistungen im gegenwärtigen Feldzug“.
Goldene Karl Friedrich Verdienst-Medaille am 4. März 1871. „ ... in Anerkennung hervorragender Tapferkeit und ausgezeichneter Leistungen während des weiteren Verlaufs des gegenwärtigen Feldzugs“.

Begründung der Verleihung bzw. Ablauf der Tat:
„ ...nach dem Treffen von Nuits am 18.Dezember I870 wurde zur Deckung der Bahnlinie Chaumont-Nuits-Ravieres auf Befehl des Großen Hauptquartiers am 22.Dezember 1870 von Dijon aus eine mobile Kolonne unter Major von Röder 2. Bataillon 5. Regiment - in der Richtung auf Semur entsendet, welches nach Rekognoszierung des Thales von Suzon gegen Abend St. Seine erreichte. Am 23. marschierte die Kolonne bis Baigneux-les-Juifs und klärte durch eine starke Kavalleriepatrouille unter Premierleutnant v. Winsloe bis Montbard auf. Ferner Wurde Unteroffizier Werneth der 5. Kompagnie mit 12 ausgesuchten Leuten des 2. Bataillons auf Wagen nach Chatillon-sur-Seine entsendet, um dort ein Telegramm an das Korpskommando nach Dijon aufzugeben und möglichst mit einer Antwort von dort noch in der Nacht zurückzukehren. Bei erstarrender Kälte traf er in der Nacht zum 24. glücklich in Chatillon ein, wo er als erstes ersehntes Lebenszeichen des XIV. Korps von den Truppen des VII. Korps freudigst begrüßt wurde. Werneth fand hier längeren Aufenthalt, als vorausgesehen war, da der Telegraph keine Antwort von Dijon brachte. Als er von einer gefährlichen Fahrt andern Morgens in Baigneux ankam, fand er das Detachement nicht mehr, ebenso wenig konnte er bestimmte Nachricht erhalten, wohin dieses marschiert war. So stand die kleine Patrouille allein, mitten unter feindlicher Bevölkerung zwei Tagesmärsche von aller Unterstützung entfernt. Ohne Zögern beschloss Werneth, sich nach Dijon durchzuschlagen und trat nach kurzer Erholungsrast den Marsch über St. Seine und das berüchtigte Defilee Val Suzon als dem kürzesten Weg an. Bis dahin ging auch die Fahrt ohne wesentliche Fährlichkeiten von statten, offenbar sicherte das entschlossene Auftreten dem kleinen Häuflein seine Erhaltung. In Val Suzon aber erhielt, wie auch befürchtet, die Patrouille Feuer. Rasch wurde abgestiegen, in das Dorf eingerückt, der zuerst aufgebrachte Einwohner als Geisel festgenommen und laut gedroht, ihn zu erschießen, wenn im geringsten Widerstand stattfände. Dies wirkte für den Moment; aber ebenso klug den günstigen Augenblick benützend, warf sich Werneth wieder auf den Wagen und enteilte der gefährlichen Lage; die Geisel nahm er bis Dijon mit, wo er am 25.Dezember anlangte - leider waren seine Kräfte den mit treuer Hingebung ertragenen Anstrengungen des Winterfeldzuges nicht gewachsen. Die Folgen derselben brachten ihm einen frühen Tod“.
julius wernet02Die Gemeinde Endingen errichtete ihrem Helden ein schönes Denkmal. Die Ausführung begeistert vor Allem durch die Darstellung der Auszeichnungen des Unteroffiziers Werneth. Dargestellt sind die Silberne Karl Friedrich Medaille mit der Rückseite auf der man sogar wie im Original den Namen lesen kann. In der Mitte das Eiserne Kreuz 1870 und daneben die Goldene Medaille mit der Vorderseite mit dem Greifen ausgeführt. Auf der Tafel die Kurzform der Tat. Dort ist erwähnt, dass Kaiser Wilheln I. für seine vorzüglichen Leistungen bei allen Gefechten seines Truppenteils, von der Schlacht bei Wörth bis zur Schlacht bei Belfort das Eiserne Kreuz verliehen hatte. Am Sockel der Text der Gemeinde: „ Dieses Denkmal setzt dem Helden aus Dankbarkeit die Bürgerschaft von Endingen“
Die Verleihung der silbernen und goldene Karl Friedrich Verdienstmedaille innerhalb nicht mal eines Monats ist wohl einmalig. Im ganzen Feldzug wurden nur 12 goldene Medaillen verliehen. Insgesamt wurden 103 Medaillen im Zeitraum 1807 bis 1871 verliehen. Die goldene Medaille ist somit eine der seltensten Auszeichnungen Badens. Nach 1871 bis zum Ende des Großherzogtums 1918 wurde keine goldenen Medaillen mehr verliehen. Im 1. Weltkrieg wurde aus Gründen der Materialersparnis auf die Verleihung verzichtet.

 

Fotos: Archiv ARGE

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